publié le mardi 10 janvier 2012
Neue Arbeitsformen und neue Bilder der Arbeitskräfte: Eine Herausforderung für die Gesundheit
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte haben sich die Formen der Arbeit allmählich gewandelt, was zur Herausbildung neuer Führungsnormen geführt hat. Wie werden diese von den Arbeitskräften erlebt?
An die Stelle des sekundären Sektors sind vielfach Dienstleistungsunternehmen und eine Dienstleistungsorientierung getreten. Mit anderen Worten, von einer Welt der mechanischen Ausführung und der Gleichförmigkeit sind wir in eine Welt des Unternehmertums und des individuellen/relationalen Handelns gelangt. Die vermehrte Berücksichtigung der Bedürfnisse oder Forderungen der Kundschaft oder der Benutzerinnen und Benutzer hat sich zu einem festen Bestandteil dieser neuen Tätigkeitsformen entwickelt, die als immaterielle Arbeit bezeichnet wer-den. Diese Tätigkeitsformen weisen drei Ausrichtungen auf:
- «Informationsbezogener Inhalt». Die Arbeitsaufgaben hängen mehr und mehr von der Fähigkeit ab, die internen und externen Informationen zu verarbeiten.
- «Intellektueller und affektiver Inhalt». Die Arbeitsaufgaben beziehen sich zunehmend auf den Einsatz der Subjektivität der Arbeitskraft.
- «Kultureller Inhalt». Die Arbeitsaufgaben definieren sich auch ausgehend von einer Vielzahl von Normen, die kulturelle und künstlerische Aspekte, Modeströmungen, Geschmäcker, und Konsumstandards betreffen.
Diese Entwicklungen sind folgenschwer. Denn der Zugang zur Beschäftigung setzt nun voraus, dass sich die Individuen persönlich für die Ziele des Unternehmens einsetzen. Es geht darum, «sich selbst», Eigeninitiative und die Fähigkeit zu Selbstständigkeit einzubringen. Diese neuen Kompetenzen bleiben jedoch nicht fassbar und «immateriell». Darin besteht das Paradox: Einerseits ist eine zunehmende Verbreitung von Instrumenten festzustellen, die vorgeben und standardisieren, wie die Aufgaben zu erfüllen sind und wie man am Arbeitsplatz zu sein hat. Andererseits stehen diese Instrumente bestimmten erwarteten, aber nur schwer objektivierbaren Kompetenzen wie der adaptiven und kreativen Intelligenz und der Beziehungsintelligenz gegenüber.
Aus diesen neuen Normen und Beziehungen am Arbeitsplatz ergeben sich eine Reihe von Erfordernissen und Einschränkungen, mit denen sich diese Tagung anhand der folgenden Fragen auseinandersetzen möchte: Wie lässt sich der Arbeit in diesem Umfeld Sinn geben? Wie lässt sich die Gesundheit am Arbeitsplatz gedanklich fassen, während sie mehr und mehr unter dem Brennglas des Individuellen und Privaten betrachtet wird? Wie sollen die Arbeitskräfte, die sich zunehmend ohne sichtbare Anerkennung einsetzen müssen, abgesichert und geschützt werden? Wonach streben diese neuen Kategorien von Arbeitskräften?
Im Anschluss an die Tagungen von 2004 (Evolution der Arbeitswelt und auftauchende Pathologien), 2006 (Exclure/Inclure, Umgang mit chronischen Gesundheitsproblemen am Arbeitsplatz) und 2008 (Die Schweizer bei der Arbeit: Glücklich, aber... müde) bietet der 5. schweizerische Kongress ’Gesundheit in der Arbeitswelt‘ Denkanstösse zu den Entwicklungen in der Arbeitswelt und den neu auftretenden Krankheiten und präsentiert Lösungsansätze.
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